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Irland und das Vereinigte Königreich stehen bei vielen Auswanderungsüberlegungen erstaunlich weit oben. Die Gründe liegen auf der Hand: englische Sprache, stabile Rechtssysteme, international bekannte Konzerne, wirtschaftliche Stärke und ein vermeintlich unternehmerfreundliches Umfeld. Gerade für Freelancer, Selbstständige und Unternehmer wirkt der englischsprachige Raum auf den ersten Blick vertraut, sicher und professionell.
Doch genau hier entsteht häufig ein Trugschluss.
Was für internationale Konzerne hervorragend funktioniert, ist für Privatpersonen und kleinere Unternehmen oft steuerlich und finanziell unattraktiv. Irland und das Vereinigte Königreich sind keine klassischen Auswanderungsländer für steueroptimierte Lebensmodelle, sondern hochentwickelte Volkswirtschaften mit entsprechend hohen Steuer- und Abgabenlasten. Die Systeme sind komplex, streng reguliert und darauf ausgelegt, substanzielle Wertschöpfung vor Ort zu besteuern – nicht darauf, mobile Existenzen zu entlasten.
Hinzu kommt, dass viele Expats Konzernstrategien mit persönlicher Steuerplanung verwechseln. Dass Unternehmen wie Google, Meta oder Amazon über Irland oder London operieren, sagt wenig darüber aus, wie sinnvoll diese Länder für Einzelpersonen sind. Großkonzerne nutzen andere Hebel: IP-Strukturen, Skaleneffekte, internationale Abkommen und erhebliche Substanz. Diese Mechanismen lassen sich auf Freelancer oder kleinere Unternehmer kaum übertragen.
Für Expats stellt sich deshalb weniger die Frage, ob Irland oder UK gute Länder sind – das sind sie ohne Zweifel –, sondern für wen sie sinnvoll sind. Und genau hier zeigt sich schnell, dass der englischsprachige Raum für die typische Globalminds-Zielgruppe selten die beste Lösung darstellt, wenn es um Steuern, Nettovermögen und langfristige Freiheit geht.
Dieser Artikel ordnet Irland und das Vereinigte Königreich realistisch ein, erklärt, warum sie für viele Auswanderer nicht funktionieren – und für wen sie dennoch in Frage kommen können.
Irland – attraktiv für Konzerne, teuer für Privatpersonen

Irland wird häufig als steuerlich attraktiver Standort wahrgenommen, was in erster Linie auf seine Rolle als europäische Basis großer internationaler Konzerne zurückzuführen ist. Für Privatpersonen – insbesondere für Selbstständige, Freelancer und Unternehmer – sieht die Realität jedoch deutlich anders aus.
Wer in Irland steuerlich ansässig wird, unterliegt grundsätzlich der Besteuerung des weltweiten Einkommens. Die Einkommensteuer ist progressiv ausgestaltet. Der Spitzensteuersatz von 40 % greift bereits bei vergleichsweise moderaten Einkommen (ab ca. 42.000 €). Hinzu kommen zwei weitere Pflichtabgaben: die Universal Social Charge (USC) sowie die PRSI (irische Sozialversicherung).
Gerade für erfolgreiche Selbstständige wird es teuer: Die USC steigt für Einkommen über 70.044 € auf 8 % und bei Selbstständigen mit Einkünften über 100.000 € sogar auf 11 %. In der Gesamtschau ergibt sich daraus für aktive Einkommen schnell eine Belastung von über 45 % bis zu 52 %. Irland ist damit alles andere als ein Niedrigsteuerland. Es gibt keine pauschalen Expat-Vorteile für Arbeitseinkommen. Wer in Irland lebt und arbeitet, wird dort regulär besteuert – unabhängig davon, ob die Kunden im In- oder Ausland sitzen.
Häufig wird in diesem Zusammenhang das Remittance-Based Tax System genannt, das für sogenannte „Non-Doms“ gelten kann. Dieses System erlaubt es, ausländische Einkünfte nur dann zu besteuern, wenn sie tatsächlich nach Irland überwiesen werden. In der Praxis ist dieses Modell jedoch nur für sehr spezifische Einkommensstrukturen sinnvoll, etwa bei größeren Vermögen, Beteiligungen oder passiven Einkünften, die langfristig im Ausland verbleiben. Für klassische Freelancer oder Unternehmer, die regelmäßig Einkommen zur Lebensführung benötigen, ist dieses Modell kaum praktikabel, da Arbeitseinkommen aus einer in Irland ausgeübten Tätigkeit dort immer steuerpflichtig ist.
Hinzu kommen die hohen Lebenshaltungskosten, insbesondere in Städten wie Dublin. Mieten, Versicherungen, private Altersvorsorge und allgemeine Lebenshaltungskosten liegen deutlich über dem EU-Durchschnitt. Selbst bei guten Bruttoeinkommen bleibt dadurch oft weniger frei verfügbares Einkommen übrig als in Ländern mit niedrigerer Steuer- und Abgabenlast.
Unterm Strich ist Irland ein exzellenter Unternehmensstandort für große, international strukturierte Konzerne – für Privatpersonen hingegen ein Land mit hoher steuerlicher Belastung und wenig Gestaltungsspielraum. Genau dieser Unterschied wird bei Auswanderungsüberlegungen häufig unterschätzt.
Warum Google, Meta & Co. Irland nutzen – und warum das für Expats kaum relevant ist
Dass Unternehmen wie Google, Meta, Apple oder Microsoft große Teile ihres Europageschäfts über Irland abwickeln, wird häufig als Beleg für die steuerliche Attraktivität des Landes herangezogen. Für Expats ist diese Schlussfolgerung jedoch trügerisch, denn die Gründe, aus denen Konzerne Irland nutzen, haben mit persönlicher Steueroptimierung nur sehr wenig zu tun.
Der zentrale Faktor ist die Körperschaftsteuer. Irland erhebt auf operative Unternehmensgewinne einen vergleichsweise niedrigen Satz von 12,5 % (bzw. 15 % für Großkonzerne nach der globalen Mindeststeuer). Auch nach Einführung der globalen Mindeststeuer für Großkonzerne bleibt Irland ein äußerst planbarer und wettbewerbsfähiger Standort innerhalb der EU. Hinzu kommen ein stabiles Rechtssystem, englische Sprache, EU-Mitgliedschaft und eine investorenfreundliche Verwaltung. Für international tätige Unternehmen sind das entscheidende Standortfaktoren.
Diese Strukturen funktionieren jedoch nur, weil Konzerne in Irland Substanz aufbauen. Es geht um echte Büros, tausende Mitarbeiter, Managementstrukturen, Forschungsabteilungen und operative Wertschöpfung. Steuerliche Vorteile ergeben sich nicht durch Wohnsitz oder Anwesenheit einzelner Personen, sondern durch komplexe Unternehmensarchitekturen, IP-Strukturen und internationale Verrechnungssysteme. Genau diese Voraussetzungen fehlen bei den meisten Expats, Freelancern und kleinen Unternehmern.
Ein weiterer Punkt wird oft übersehen: Die steuerlichen Vorteile liegen auf Unternehmensebene, nicht auf persönlicher Ebene. Während ein Konzern in Irland seine Gewinne effizient strukturieren kann, unterliegt die dort lebende Privatperson weiterhin der regulären irischen Einkommensteuer inklusive Sozialabgaben. Dass ein Unternehmen in Irland niedrig besteuert wird, bedeutet nicht, dass der dort lebende Unternehmer oder Angestellte ebenfalls steuerlich begünstigt ist.
Für Expats entsteht dadurch eine gefährliche Fehlannahme. Viele erwarten, dass sich Konzernlogik auf das eigene Leben übertragen lässt – etwa nach dem Motto: „Wenn Google dort sitzt, kann es für mich nicht schlecht sein.“ In der Realität profitieren jedoch fast ausschließlich Unternehmen mit entsprechender Größe, Struktur und internationaler Aufstellung von den irischen Rahmenbedingungen.
Irland ist daher weniger ein Steuerparadies als ein hochprofessioneller Konzernstandort. Für Einzelpersonen ohne substanzielle Unternehmensstruktur vor Ort bleibt davon kaum etwas übrig – außer einer hohen Steuer- und Kostenbasis.
Vereinigtes Königreich – vom Non-Dom-Modell zur Hochkostenlösung

Das Vereinigte Königreich galt über Jahrzehnte als einer der attraktivsten Standorte für international mobile Personen. Das frühere Non-Dom-Regime erlaubte es wohlhabenden Expats und Unternehmern, Auslandseinkünfte unter bestimmten Voraussetzungen außerhalb der britischen Besteuerung zu halten. Dieses Modell hat London zu einem Magneten für internationale Vermögen gemacht.
Doch diese Ära ist endgültig vorbei. Mit Wirkung zum 6. April 2025 wurde das alte System abgeschafft.
Seitdem gilt ein neues Modell (das FIG-Regime), das neu zuziehenden Expats nur noch für die ersten vier Jahre Steuerfreiheit auf ausländische Einkünfte gewährt – vorausgesetzt, man war zuvor 10 Jahre lang nicht im UK ansässig. Ab dem fünften Jahr wird das weltweite Einkommen voll besteuert. Wer also langfristig planen will, findet im UK heute ein Hochsteuerumfeld vor. Die Einkommensteuer reicht bis zu 45 %, ergänzt durch National Insurance Contributions.
Für Personen, die im Vereinigten Königreich steuerlich ansässig sind, gilt grundsätzlich die Besteuerung des weltweiten Einkommens. Die Einkommensteuer ist progressiv und reicht bis zu 45 % auf hohe Einkommen. Hinzu kommen National Insurance Contributions, die sowohl Arbeitnehmer als auch Selbstständige zusätzlich belasten. Für aktiv arbeitende Personen ergibt sich damit eine sehr hohe Gesamtbelastung – vergleichbar mit klassischen Hochsteuerländern in Westeuropa.
Parallel dazu sind die Lebenshaltungskosten, insbesondere in London und dem Südosten Englands, stark gestiegen. Mieten, private Gesundheitsversorgung, Bildungskosten und allgemeine Lebenshaltung liegen deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Selbst bei hohen Bruttoeinkommen schrumpft dadurch das real verfügbare Einkommen erheblich.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die regulatorische Situation nach dem Brexit. Aufenthaltsrecht, Sozialversicherung und steuerliche Koordination mit der EU sind komplexer geworden. Für EU-Bürger bedeutet das: Das Vereinigte Königreich ist kein unkomplizierter Auswanderungsort mehr, sondern erfordert klare Visa- und Aufenthaltsstrukturen – ohne dass dem steuerliche Vorteile gegenüberstehen.
In der heutigen Realität ist das Vereinigte Königreich vor allem ein Standort für Karrieren, Finanzindustrie und internationale Konzerne. Für Expats, die gezielt Steuern optimieren, Vermögen aufbauen oder mit mobilen Einkommensstrukturen arbeiten wollen, ist das Land hingegen kaum noch attraktiv. Die Kombination aus hoher Steuerlast, hohen Kosten und politischer Unsicherheit macht UK zu einer Hochkostenlösung mit begrenztem Gestaltungsspielraum.
Die Folgen des Brexit – mehr Hürden, weniger Planungssicherheit
Der Brexit hat das Vereinigte Königreich nicht nur politisch von der Europäischen Union getrennt, sondern auch rechtlich, steuerlich und praktisch zu einem deutlich komplexeren Auswanderungsziel gemacht. Gerade für EU-Bürger, die früher problemlos in Großbritannien leben und arbeiten konnten, haben sich die Rahmenbedingungen grundlegend verschlechtert.
Seit dem Brexit ist das Vereinigte Königreich kein Teil des EU-Binnenmarkts mehr. Aufenthalts- und Arbeitsrechte bestehen für EU-Bürger nicht länger automatisch, sondern erfordern Visa, Genehmigungen und Nachweise, etwa in Form von Arbeitsverträgen, Einkommensgrenzen oder Sponsorings. Für Selbstständige und Unternehmer bedeutet das: Der Markteintritt ist deutlich aufwendiger, langsamer und unsicherer geworden.
Auch steuerlich hat der Brexit Folgen. Die Abstimmung zwischen Steuersystemen ist komplexer, insbesondere bei Sozialversicherungen, Betriebsstätten und grenzüberschreitenden Tätigkeiten. Doppelbesteuerungsfragen lassen sich zwar formal über DBA regeln, in der Praxis steigt jedoch der administrative Aufwand erheblich. Themen wie Sozialversicherungspflicht, Anrechnung von Beitragszeiten oder Entsendungsregelungen sind weniger klar geregelt als innerhalb der EU.
Für Unternehmer kommt ein weiterer Punkt hinzu: Zoll- und Handelsbarrieren. Dienstleistungen lassen sich zwar weiterhin grenzüberschreitend erbringen, doch regulatorische Unterschiede, Meldepflichten und Unsicherheiten bei Vertragsgestaltung und Haftung nehmen zu. Gerade kleinere Unternehmen spüren diese Hürden deutlich stärker als große Konzerne mit eigenen Rechts- und Compliance-Abteilungen.
In der Summe hat der Brexit das Vereinigte Königreich für Expats nicht unbewohnbar, aber deutlich unattraktiver gemacht. Wo früher Freizügigkeit, Rechtssicherheit und einfache Integration galten, stehen heute Genehmigungsprozesse, höhere Kosten und geringere Planbarkeit. Für steuerlich und unternehmerisch flexible Lebensmodelle ist das ein klarer Nachteil.
Der Brexit hat damit eine Entwicklung verstärkt, die ohnehin schon sichtbar war: Das Vereinigte Königreich ist kein klassisches Expat-Land mehr, sondern ein anspruchsvoller Hochkostenstandort, der vor allem für klar definierte Karrieren oder große Unternehmensstrukturen Sinn ergibt – nicht für mobile, steueroptimierte Lebensmodelle.
Warum Irland & UK für die Globalminds-Zielgruppe meist keine Lösung sind
Für die typische Globalminds-Zielgruppe – also Freelancer, Selbstständige, digitale Unternehmer und ortsunabhängige Professionals – sind Irland und das Vereinigte Königreich in der Praxis selten sinnvoll. Nicht, weil es schlechte Länder wären, sondern weil Struktur, Zielsetzung und Realität dieser Staaten nicht zu den Bedürfnissen mobiler Expats passen.
Beide Länder verfolgen ein klares steuerpolitisches Ziel: aktive Wertschöpfung soll dort besteuert werden, wo sie stattfindet. Wer in Irland oder im UK lebt, arbeitet und Entscheidungen trifft, wird steuerlich vollständig erfasst. Es gibt weder ein echtes Territorialprinzip noch einfache Pauschalmodelle für mobile Einkommen. Gestaltungsmöglichkeiten existieren fast ausschließlich für große Unternehmensstrukturen mit Substanz – nicht für Einzelpersonen oder kleine, flexible Setups.
Hinzu kommt ein Aspekt, der oft unterschätzt wird: Sozialabgaben und laufende Kosten. Selbst wenn die nominelle Einkommensteuer noch akzeptabel erscheint, führen Sozialversicherungen, private Vorsorge, Wohnkosten und Lebenshaltung dazu, dass das real frei verfügbare Einkommen deutlich niedriger ausfällt als in vielen Alternativländern. Für Menschen, die bewusst international leben, Vermögen aufbauen und ihre Arbeitsleistung skalieren wollen, ist das ein struktureller Nachteil.
Auch das Argument der Sprache oder kulturellen Nähe trägt nur begrenzt. Englisch als Amtssprache erleichtert den Einstieg, ersetzt aber keine steuerliche Logik. Für viele Expats ist die anfängliche Bequemlichkeit schnell durch Ernüchterung ersetzt, sobald klar wird, wie hoch die laufende Belastung tatsächlich ist – und wie wenig Flexibilität das System zulässt.
In der Praxis zeigt sich daher ein wiederkehrendes Muster: Irland und UK werden häufig in Erwägung gezogen, aber nach genauer Analyse wieder verworfen. Nicht aus ideologischen Gründen, sondern aus nüchterner Kalkulation. Länder mit Territorialbesteuerung, klaren Non-Dom-Systemen oder niedriger Flat Tax bieten für dieselbe Zielgruppe schlicht bessere Voraussetzungen – sowohl steuerlich als auch strukturell.
Fazit – stabile Länder, aber falscher Rahmen für steueroptimierte Auswanderung
Irland und das Vereinigte Königreich sind stabile, rechtssichere und wirtschaftlich starke Länder. Für Angestellte, Konzernkarrieren oder große Unternehmensstrukturen sind sie weiterhin attraktiv. Für Expats, die mobil arbeiten, Einkommen international erzielen und langfristig Vermögen aufbauen wollen, sind sie jedoch meist nicht die richtige Wahl.
Der englischsprachige Raum wird häufig überschätzt, weil Konzernstrategien mit persönlicher Lebensrealität verwechselt werden. Wer diesen Unterschied versteht, spart sich teure Umwege. Steueroptimierte Auswanderung funktioniert nicht dort, wo der Staat auf maximale Erfassung ausgelegt ist, sondern dort, wo Mobilität systematisch mitgedacht wird.
Genau hier setzt Globalminds an: nicht mit Versprechen, sondern mit realistischen Strukturen, die zu Einkommen, Lebensstil und langfristigen Zielen passen.



