Auswandern nach Portugal: Das Ende von NHR und die neuen IFICI-Steuerregeln

  • Das NHR-Aus: Das alte Steuerparadies ist seit 2024 für Neuanträge geschlossen; wer jetzt kommt, unterliegt meist der regulären Steuerprogression von bis zu 48 %.

  • Die IFICI-Hürde: Das neue Regime ist kein Ersatz für die Masse, sondern eine Eliten-Förderung für Forscher und Tech-Spezialisten – Freelancer und Online-Unternehmer gehen leer aus.

  • Die Visum-Falle: Ein Aufenthaltstitel (D7/Digital Nomad) garantiert keine Steuervorteile; ohne Sonderstatus wird Ihr Welteinkommen in Portugal voll steuerpflichtig.

  • Lifestyle statt Steuerlösung: Portugal ist heute ein erstklassiges Lebensland, aber ein steuerlicher Hochpreisstandort – es taugt primär als Lifestyle-Baustein, nicht mehr als Optimierungstool.

Portugal war einmal das Expat-Steuerparadies

Portugal galt über ein Jahrzehnt als einer der attraktivsten Wohnsitze für Auswanderer innerhalb der EU. Sonne, Meer, vergleichsweise moderate Lebenshaltungskosten und vor allem das Non-Habitual-Resident-Regime (NHR) machten das Land für Rentner, Unternehmer und international tätige Selbstständige gleichermaßen interessant. Steuerlich bot Portugal lange Zeit etwas, das in Europa selten geworden ist: planbare Vorteile bei Auslandseinkünften und eine gewisse Großzügigkeit in der Anwendung des Steuerrechts.

Dieses Bild hat sich grundlegend verändert.

Mit Wirkung ab 2024 hat Portugal das klassische NHR-Regime für neue Antragsteller beendet und durch ein deutlich enger gefasstes Nachfolgemodell ersetzt. Was häufig noch als „NHR 2.0“ bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit ein völlig anderes System mit einer klaren Zielsetzung: Portugal möchte nicht mehr pauschal Expats anziehen, sondern gezielt hochqualifizierte Fachkräfte, Forschung, Innovation und bestimmte wirtschaftliche Aktivitäten fördern. Für die breite Masse der Auswanderer ist dieses neue Regime nicht gedacht.

In der öffentlichen Wahrnehmung – insbesondere in Social Media – hält sich dennoch hartnäckig die Vorstellung, Portugal sei weiterhin ein steuerlich besonders attraktiver Wohnsitz für digitale Nomaden, Freelancer oder Unternehmer mit Auslandseinkünften. Diese Annahme führt in der Praxis zunehmend zu Fehlentscheidungen. Aufenthaltsrechtliche Möglichkeiten wie das D7-Visum oder das Digital-Nomad-Visum werden dabei oft fälschlich mit steuerlichen Vorteilen gleichgesetzt – obwohl zwischen Aufenthaltsstatus und Steuerregime kein Automatismus besteht.

Dieser Artikel ordnet die aktuelle Lage nüchtern ein. Er erklärt, warum das NHR faktisch beendet ist, was sich hinter den neuen IFICI-Steuerregeln verbirgt und warum nur noch wenige Expats realistisch davon profitieren. Gleichzeitig beleuchten wir Sonderfälle wie Madeira, erklären die steuerliche Realität hinter populären Auswanderungsmythen und zeigen auf, für wen Portugal heute noch sinnvoll ist – und für wen nicht.

Portugal ist weiterhin ein attraktives Lebensland. Steuerlich jedoch ist es deutlich selektiver geworden. Wer heute nach Portugal auswandern will, sollte diese Unterscheidung verstehen, bevor er Fakten schafft.

Das Ende des klassischen NHR-Regimes

Das ursprüngliche portugiesische Non-Habitual-Resident-Regime (NHR) wurde 2009 eingeführt, um ausländisches Kapital, Fachkräfte und Kaufkraft ins Land zu holen. Über Jahre hinweg erfüllte es genau diesen Zweck. Das System war vergleichsweise einfach, breit anwendbar und bot für viele Einkommensarten – insbesondere aus dem Ausland – steuerliche Vorteile über einen Zeitraum von zehn Jahren.

Gerade diese Breite wurde Portugal jedoch zunehmend zum politischen Problem. Inländisch wuchs der Druck aufgrund steigender Immobilienpreise und sozialer Spannungen, international geriet Portugal – wie viele andere Länder – unter Beobachtung, steuerliche Sonderregime einzuschränken. Das Ergebnis war kein schrittweiser Umbau, sondern ein klarer Schnitt.

Mit Wirkung zum 1. Januar 2024 wurde das klassische NHR-Regime für neue Antragsteller abgeschafft. Wer bis Ende 2023 noch nicht als NHR registriert war, kann heute nicht mehr in das alte System aufgenommen werden. Für bestehende NHR-Inhaber gilt lediglich Bestandsschutz: Sie dürfen ihr Regime bis zum Ende der jeweiligen zehnjährigen Laufzeit weiter nutzen, erhalten aber keine Verlängerung oder Ausweitung darüber hinaus.

Wichtig ist dabei die klare Abgrenzung: Das NHR wurde nicht reformiert, sondern ersetzt. Das neue System knüpft nicht mehr an den Status „Expat“ an, sondern an klar definierte Tätigkeiten und Qualifikationen. Wer heute noch mit dem Argument „Portugal hat doch NHR“ plant, arbeitet faktisch mit veralteten Annahmen.

In der Praxis zeigt sich bereits, dass viele Auswanderer diesen Bruch unterschätzen. Anträge, die auf dem alten System basieren, laufen ins Leere, und selbst gut verdienende Expats fallen nicht automatisch unter die neuen Regelungen. Portugal hat sich bewusst von einem offenen Expat-Steuerregime verabschiedet und setzt stattdessen auf ein selektives Modell mit enger Zielgruppe.

Damit ist das klassische NHR heute kein Gestaltungsinstrument mehr, sondern lediglich ein Auslaufmodell für Bestandsfälle. Für alle neuen Auswanderer beginnt die steuerliche Betrachtung Portugals bei einem völlig neuen Regelwerk.

Das neue IFICI-Regime im Überblick

Das neue portugiesische Steuerregime trägt offiziell den Namen „Tax Incentive for Scientific Research and Innovation“ (IFICI). In der öffentlichen Diskussion wird es häufig als „NHR 2.0“ bezeichnet – diese Bezeichnung ist jedoch irreführend. IFICI ist kein Nachfolger im funktionalen Sinne, sondern ein völlig anderes Instrument mit klar begrenztem Anwendungsbereich.

Während das alte NHR-Regime auf die Ansässigkeit als Expat abstellte, knüpft IFICI ausschließlich an bestimmte berufliche Tätigkeiten und Qualifikationen an. Ziel ist es, Portugal als Standort für Forschung, Innovation, Technologie und wissensintensive Wirtschaftszweige zu stärken. Steuerliche Vorteile sollen nicht mehr pauschal gewährt werden, sondern nur dort, wo der Staat einen direkten wirtschaftlichen Mehrwert sieht.

Kern des IFICI-Regimes ist eine begünstigte Besteuerung bestimmter Einkünfte aus qualifizierter Tätigkeit, sofern diese in Portugal ausgeübt wird und die betreffende Person einer der ausdrücklich definierten Berufs- oder Tätigkeitsgruppen angehört. Welche Tätigkeiten das sind, wird nicht offen ausgelegt, sondern durch gesetzliche Verweise und branchenspezifische Listen konkretisiert. Damit entsteht bereits an dieser Stelle eine deutliche Zugangshürde.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied zum alten NHR liegt in der administrativen Prüfung. IFICI ist kein automatischer Status, der allein durch Wohnsitznahme entsteht. Vielmehr muss die Qualifikation und Tätigkeit aktiv nachgewiesen werden, häufig unter Einbindung mehrerer Behörden oder staatlich anerkannter Stellen. Die steuerliche Begünstigung ist damit nicht nur enger gefasst, sondern auch stärker vom jeweiligen Einzelfall abhängig.

Für viele Expats ist außerdem relevant, was IFICI nicht ist: Es handelt sich nicht um ein Territorial- oder Non-Dom-System. Auslandseinkünfte sind nicht pauschal steuerfrei, und der bloße Umstand, dass Einkommen außerhalb Portugals erzielt wird, schützt nicht vor portugiesischer Besteuerung. IFICI setzt auf gezielte Förderung lokaler Wertschöpfung, nicht auf die Anziehung international mobiler Einkommen ohne Bezug zum Land. Und damit leider für die Zielgruppe von Globalminds nicht annähernd so interessant wie das vorherige Portugal NHL System.

Zusammengefasst lässt sich festhalten: IFICI ist ein spezialisiertes Förderinstrument für eine begrenzte Zielgruppe. Es ersetzt das alte NHR nicht, sondern markiert einen bewussten Kurswechsel. Wer Portugal heute steuerlich nutzen möchte, muss prüfen, ob er in dieses enge Raster fällt – und nicht davon ausgehen, dass das frühere Expat-Modell fortgeführt wurde.

Wer Changen auf IFICI hat – und warum die meisten Expats außen vor bleiben

Der zentrale Unterschied zwischen dem alten NHR-Regime und IFICI liegt in der Zielgruppe. IFICI richtet sich nicht an Expats im Allgemeinen, sondern an Personen, die konkret definierte, qualifizierte Tätigkeiten ausüben und damit einen direkten wirtschaftlichen oder technologischen Mehrwert für Portugal schaffen. Genau hier scheitert in der Praxis ein Großteil der Auswanderungspläne.

Begünstigt sind vor allem Tätigkeiten aus den Bereichen Wissenschaft, Forschung, Technologie, Innovation und bestimmte Managementfunktionen, häufig in Verbindung mit portugiesischen Unternehmen, Hochschulen, Forschungszentren oder staatlich anerkannten Projekten. Entscheidend ist dabei nicht nur die Berufsbezeichnung, sondern der tatsächliche Inhalt der Tätigkeit sowie deren Einbindung in das portugiesische Wirtschafts- oder Innovationsumfeld.

Für viele klassische Expat-Profile passt dieses Raster nicht. Freelancer, digitale Nomaden, Berater, Agenturinhaber oder Online-Unternehmer arbeiten in der Regel für internationale Kunden, ohne operative oder inhaltliche Anbindung an Portugal. Auch wenn diese Tätigkeiten hochqualifiziert sind, erfüllen sie meist nicht die formalen Voraussetzungen von IFICI, da der Staat hier keine gezielte Förderung lokaler Wertschöpfung sieht.

Ein weiterer Engpass ist der formale Nachweis. IFICI setzt voraus, dass Qualifikation, Tätigkeit und gegebenenfalls Arbeitgeber oder Auftraggeber den gesetzlichen Kriterien entsprechen. In vielen Fällen ist eine Bestätigung durch portugiesische Institutionen erforderlich. Damit wird das Regime nicht nur enger, sondern auch weniger planbar. Ob eine Tätigkeit akzeptiert wird, lässt sich oft erst nach individueller Prüfung beurteilen.

In der Praxis bedeutet das: Nur ein kleiner Teil der nach Portugal ziehenden Expats fällt tatsächlich unter IFICI. Viele erfüllen weder die beruflichen Kriterien noch die strukturellen Voraussetzungen. Der verbreitete Eindruck, Portugal habe das NHR lediglich „umbenannt“, führt daher regelmäßig zu falschen Erwartungen.

Für Auswanderer ist diese Erkenntnis zentral. IFICI ist kein allgemeines Expat-Steuerregime, sondern ein selektives Förderinstrument. Wer nicht klar in das vorgesehene Profil passt, sollte Portugal steuerlich nicht mit IFICI planen – sondern von Anfang an Alternativen in Betracht ziehen.

Steuerliche Auswirkungen unter IFICI – und wie Portugal sonst besteuert

Das IFICI-Regime verschafft qualifizierten Personen einen klar definierten steuerlichen Vorteil gegenüber der regulären Besteuerung in Portugal. Einkünfte aus begünstigter Tätigkeit, die in Portugal ausgeübt wird, können unter IFICI mit einem pauschalen Einkommensteuersatz von 20 % besteuert werden. Diese Regelung gilt für einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren, sofern die Voraussetzungen jährlich weiter erfüllt werden. Entscheidend ist dabei, dass es sich um qualifizierte Tätigkeiten im Sinne des Gesetzes handelt – nicht um beliebige selbstständige oder remote ausgeübte Arbeit.

Dieser Satz ist im portugiesischen Kontext deshalb relevant, weil das reguläre Einkommensteuersystem deutlich progressiver ausgestaltet ist. Ohne IFICI unterliegt ein in Portugal steuerlich Ansässiger grundsätzlich der Besteuerung seines Welteinkommens. Die Einkommensteuer beginnt bei niedrigen Einkommen mit einem Satz von rund 14,5 % und steigt stufenweise an. Ab höheren Einkommensbereichen greift ein Spitzensteuersatz von 48 %. Zusätzlich erhebt Portugal eine Solidaritätsabgabe: 2,5 % auf Einkommensteile oberhalb von rund 80.000 Euro und 5 % auf Einkommen über etwa 250.000 Euro. Damit kann die effektive Gesamtbelastung bei hohen Einkommen deutlich über dem liegen, was viele Expats aus anderen Ländern gewohnt sind.

Neben der Einkommensteuer spielen auch Sozialabgaben eine zentrale Rolle, die bei der Planung häufig unterschätzt werden. Arbeitnehmer zahlen in Portugal in der Regel 11 % Sozialversicherungsbeiträge, während der Arbeitgeber zusätzlich 23,75 % abführt. Bei Selbstständigen liegt die Belastung typischerweise bei rund 21,4 % auf das relevante Einkommen, wobei die Berechnungsgrundlage von der tatsächlichen Einkommensart abhängt. Diese Beiträge fallen unabhängig davon an, ob man unter IFICI fällt oder nicht, sofern man in Portugal sozialversicherungspflichtig tätig ist. IFICI reduziert also die Einkommensteuer, nicht jedoch automatisch die Sozialabgaben.

Gerade dieser Punkt macht Portugal für viele Selbstständige steuerlich weniger attraktiv als zunächst angenommen. Wer aktiv arbeitet und sein Einkommen in Portugal erzielt, muss nicht nur die Einkommensteuer, sondern auch die laufenden Sozialabgaben einkalkulieren. In der Gesamtschau kann die Abgabenlast damit deutlich höher liegen als in klassischen Non-Dom- oder Territorialstaaten.

IFICI-Berufsliste – wer begünstigt ist und wie der Nachweis erfolgt

Das neue IFICI-Regime richtet sich ausschließlich an einen eng definierten Personenkreis mit nachweislich hochqualifizierter, innovations- oder forschungsgetriebener Tätigkeit in Portugal. Anspruchsberechtigt sind nur Personen, die steuerlich in Portugal ansässig werden, in den letzten fünf Jahren keine portugiesische Steuerresidenz hatten und eine Tätigkeit ausüben, die ausdrücklich in Artikel 58-A des portugiesischen Steuerrechts (EBF) gelistet ist. Dazu zählen insbesondere Hochschullehrer und wissenschaftliche Forscher (zertifiziert durch die FCT), Führungskräfte und hochqualifizierte Spezialisten in strategisch relevanten Unternehmen (anerkannt u. a. durch AICEP oder IAPMEI), Fachkräfte aus Natur-, Ingenieur- und IT-Wissenschaften, Ärzte sowie leitende Rollen in zertifizierten Start-ups oder in Unternehmen mit staatlich geförderten F&E- oder Investitionsprojekten. Zusätzlich ist ein formaler Qualifikationsnachweis erforderlich: entweder ein akademischer Abschluss auf mindestens EQF-Level 6 (Bachelor) plus mindestens drei Jahre einschlägige Berufserfahrung, oder ein EQF-Level 8 (PhD). Reine Freelancer, digitale Nomaden, Berater, Agenturinhaber oder Online-Selbstständige ohne institutionelle Einbindung in Portugal fallen in der Regel nicht unter IFICI. Der Zugang erfolgt nur über eine formale Registrierung beim Finanzamt (Portal das Finanças) und setzt eine umfassende Dokumentation der Tätigkeit, Qualifikation und Einbindung in eine begünstigte Struktur voraus.

Zusammengefasst bedeutet das: IFICI kann die Einkommensteuer auf qualifizierte Tätigkeit planbar senken, ändert aber nichts daran, dass Portugal grundsätzlich ein Hochsteuer- und Hochabgabenland ist. Wer nicht unter IFICI fällt, wird voll nach dem regulären System besteuert – inklusive progressiver Steuersätze und Sozialversicherungsbeiträge. Genau deshalb ist die Frage, ob IFICI überhaupt anwendbar ist, für eine Auswanderung nach Portugal heute von zentraler Bedeutung.

Aufenthaltstitel vs. Steuerregime – ein häufiger und teurer Denkfehler

Einer der größten Irrtümer bei der Auswanderung nach Portugal ist die Annahme, dass ein Aufenthaltstitel automatisch steuerliche Vorteile mit sich bringt. Genau das ist nicht der Fall. Aufenthaltsrecht und Steuerrecht sind in Portugal – wie in den meisten Ländern – zwei strikt getrennte Ebenen, die unabhängig voneinander beurteilt werden.

Portugal bietet weiterhin vergleichsweise leicht zugängliche Aufenthaltstitel, etwa das D7-Visum für Personen mit passivem Einkommen oder das Digital-Nomad-Visum für remote arbeitende Personen. Diese Visa regeln ausschließlich das Recht, sich in Portugal aufzuhalten und dort zu leben. Sie enthalten keinerlei steuerliche Privilegien. Wer mit einem solchen Visum nach Portugal zieht und dort steuerlich ansässig wird, unterliegt grundsätzlich dem regulären portugiesischen Steuersystem, sofern kein spezielles Steuerregime wie IFICI greift. Als EU Staatsbürger ist das Thema Visum und Aufenthalt aufgrund des Schengen Raums und der Freizügigkeit in Europa sowieso kein Thema.

In der Praxis führt diese Trennung regelmäßig zu Fehlplanungen. Viele Expats gehen davon aus, dass sie mit einem Digital-Nomad-Visum weiterhin „steuerlich flexibel“ bleiben oder ihr Auslandseinkommen nicht in Portugal versteuern müssen. Tatsächlich ist jedoch entscheidend, wo der steuerliche Wohnsitz liegt – und nicht, welches Visum genutzt wird. Wer seinen Lebensmittelpunkt nach Portugal verlegt, dort wohnt und lebt, wird in der Regel als steuerlich ansässig behandelt und muss sein Welteinkommen deklarieren.

Auch das Argument, man arbeite ja „nur für ausländische Kunden“, ändert daran nichts. Portugal kennt kein Territorialprinzip für Privatpersonen. Ohne IFICI oder ein anderes Sonderregime werden Arbeitseinkünfte, selbstständige Einkünfte und oft auch ausländische Einkünfte regulär besteuert. Aufenthaltsrechtliche Erleichterungen ersetzen keine steuerliche Planung.

Gerade deshalb ist Portugal heute ein Land, bei dem die Reihenfolge entscheidend ist: Erst muss geklärt werden, wie die steuerliche Situation aussieht, und erst danach, welcher Aufenthaltstitel dazu passt. Wer diesen Schritt umdreht, stellt häufig erst nach dem Umzug fest, dass Portugal steuerlich ganz anders funktioniert als erwartet.

Sonderregelungen für Inseln – Madeira, Azoren und die Grenzen dieser Modelle

Im Zusammenhang mit Portugal taucht regelmäßig die Frage auf, ob Inselregionen wie Madeira oder die Azoren steuerlich anders zu behandeln sind und ob sich dort weiterhin Vorteile ergeben, die das Ende des NHR kompensieren könnten. Die kurze Antwort lautet: Es gibt Sonderregelungen, aber sie ersetzen kein Expat-Steuerregime.

Am bekanntesten ist das Madeira International Business Centre (MIBC). Dabei handelt es sich um ein seit Jahren bestehendes Sonderregime für Unternehmen, nicht für Privatpersonen. Gesellschaften, die unter dem MIBC zugelassen sind und bestimmte Voraussetzungen erfüllen, können von reduzierten Körperschaftsteuersätzen profitieren. Diese Regelung richtet sich primär an international tätige Firmen mit realer Substanz, lokalen Arbeitsplätzen und klarer wirtschaftlicher Aktivität auf Madeira. Für klassische Expats, Freelancer oder digitale Nomaden ist das MIBC keine Lösung, da es weder eine pauschale Steuervergünstigung für Privatpersonen bietet noch ohne operative Anforderungen funktioniert.

Für Privatpersonen gelten auf Madeira dieselben steuerlichen Grundsätze wie auf dem portugiesischen Festland. Es gibt kein eigenes Non-Dom-System, kein Sonder-NHR und keine automatische Steuerfreiheit für Auslandseinkommen. Wer auf Madeira lebt und steuerlich ansässig ist, unterliegt grundsätzlich dem portugiesischen Einkommensteuersystem – inklusive Progression und Sozialabgaben. Auch IFICI gilt dort nur dann, wenn die allgemeinen Voraussetzungen erfüllt sind; der Standort „Insel“ allein schafft keinen Vorteil.

Die Azoren weisen in einzelnen Bereichen geringfügige Abweichungen auf, etwa bei regionalen Zuschlägen oder lokalen Steuersätzen. Diese Unterschiede sind jedoch marginal und ändern nichts an der grundsätzlichen Einordnung Portugals als Hochsteuerland für Privatpersonen. Für steuerliche Wohnsitzstrategien sind sie in der Praxis kaum relevant.

Wichtig ist daher die klare Abgrenzung: Inselregionen können lebensqualitativ attraktiv sein und im Unternehmensbereich punktuell Vorteile bieten, sie sind aber kein Ersatz für das frühere NHR-Regime. Wer mit der Erwartung nach Madeira zieht, dort steuerlich anders behandelt zu werden als auf dem Festland, wird in der Regel enttäuscht.

Portugal hat auch auf den Inseln bewusst keinen neuen steuerlichen Sonderweg für Expats geschaffen. Die politischen Ziele – selektive Förderung von Innovation und Wertschöpfung – gelten landesweit.

Warum der Zugang für Expats faktisch schlechter geworden ist

Dass Portugal für Expats steuerlich deutlich unattraktiver geworden ist, liegt nicht an einer einzelnen Gesetzesänderung, sondern an einem grundsätzlichen Kurswechsel. Der Staat hat sich bewusst von einem breiten, leicht zugänglichen Expat-Regime verabschiedet und ersetzt dieses durch selektive, schwer zugängliche Sonderregelungen mit klarer wirtschaftlicher Zielsetzung.

Der wichtigste Punkt ist die starke Eingrenzung der Zielgruppe. Während das alte NHR-Modell viele unterschiedliche Einkommens- und Lebensmodelle zuließ, ist IFICI auf wenige, klar definierte Tätigkeiten beschränkt. Wer nicht in Forschung, Innovation, Hochtechnologie oder bestimmten strategischen Managementfunktionen tätig ist, fällt schlicht aus dem Raster. Das betrifft den Großteil klassischer Auswandererprofile – insbesondere selbstständige Online-Arbeiter und Unternehmer ohne lokale Substanz.

Hinzu kommt die formale Hürde. IFICI ist kein Status, der automatisch mit der Wohnsitznahme entsteht. Er muss aktiv beantragt werden, setzt umfangreiche Nachweise voraus und erfordert oft die Anerkennung durch staatliche oder staatsnahe Stellen. Damit steigt nicht nur der administrative Aufwand, sondern auch die Unsicherheit. Ob ein Antrag akzeptiert wird, lässt sich häufig erst nach individueller Prüfung beurteilen – Planungssicherheit sieht anders aus.

Ein weiterer Faktor ist die strikte Trennung von Aufenthalts- und Steuerrecht. Portugal erleichtert zwar weiterhin die Einreise und den Aufenthalt, koppelt diese aber bewusst nicht mehr an steuerliche Vorteile. Das führt dazu, dass viele Expats zwar problemlos ein Visum erhalten, steuerlich jedoch voll im regulären System landen. Dieser Bruch zwischen Erwartung und Realität ist einer der häufigsten Gründe für spätere Enttäuschung.

Schließlich spielt auch die Abgabenlast eine Rolle. Selbst bei moderaten Einkommen führen progressive Steuersätze und Sozialabgaben dazu, dass Portugal für aktiv arbeitende Personen schnell teuer wird. Ohne Sonderregime gibt es kaum steuerliche Entlastung, und selbst unter IFICI bleiben Sozialabgaben in der Regel bestehen. Schlimmer noch ist, das bei Wegzug aus Portugal die Exit Themen erneut auf den Tisch kommen. So verlangt Portugal den Nachweis eines neuen Wohnsitzes, sie lassen dich nicht einfach so gehen.

In der Summe ist Portugal heute kein Land mehr, das Expats steuerlich „einlädt“. Es wählt aus. Wer exakt in das gewünschte Profil passt, kann profitieren. Für alle anderen ist Portugal steuerlich ein ganz normales europäisches Hochsteuerland – mit hoher Lebensqualität, aber ohne systematische Vorteile für international mobile Einkommen.

Für wen Portugal heute noch Sinn macht – und welche Abwägungen viele Expats treffen

Für einen Teil der Auswanderer bleibt Portugal auch nach dem Ende von NHR interessant – allerdings meist nicht mehr als alleiniger steuerlicher Wohnsitz, sondern als Lifestyle-Komponente innerhalb einer Gesamtstrategie. In der Praxis führt das bei vielen zu einer bewussten Abwägung: Portugal ja, aber zeitlich begrenzt.

Gerade für EU-Bürger ist der Aufenthalt selbst kein Thema. Es braucht kein Visum, keine komplizierte Einwanderung, keine formalen Hürden. Man kann sich in Portugal aufhalten, wohnen, reisen und leben. Die eigentliche Hürde entsteht erst auf der steuerlichen und abgabenrechtlichen Ebene. Wer seinen Lebensmittelpunkt vollständig nach Portugal verlegt, dort dauerhaft lebt und arbeitet, wird steuerlich ansässig – mit allen Konsequenzen eines Hochsteuer- und Hochabgabenlands.

Deshalb entscheiden sich viele Expats für hybride Modelle. Portugal wird beispielsweise nur für einige Monate im Jahr genutzt – als Wohnort, Zweitwohnsitz oder saisonaler Lebensmittelpunkt. Die steuerliche Ansässigkeit und das unternehmerische Setup liegen hingegen in anderen Ländern, etwa in Zypern, Rumänien oder Bulgarien, wo Steuersysteme klarer, planbarer und für aktive Einkommen oft günstiger sind. Diese Kombination erlaubt es, die Lebensqualität Portugals zu genießen, ohne dort automatisch voll steuerpflichtig zu werden.

Ein zentrales Thema in solchen Konstruktionen ist die Betriebsstätte. Wer regelmäßig aus Portugal arbeitet, geschäftliche Entscheidungen trifft oder operative Tätigkeiten von dort aus ausübt, kann unter Umständen eine steuerliche Anknüpfung auslösen – selbst wenn Firma und Steuerwohnsitz offiziell in einem anderen Land liegen. Genau deshalb ist die zeitliche Nutzung Portugals, die Art der Tätigkeit und die Struktur des Unternehmens entscheidend. Portugal eignet sich in diesen Fällen eher als Lifestyle-Standort, nicht als operativer Unternehmenssitz.

Für viele Selbstständige und Unternehmer lautet die nüchterne Erkenntnis daher: Portugal ist heute weniger eine steuerliche Lösung als eine Lebensentscheidung, die in ein größeres Gesamtkonzept eingebettet werden muss. Ohne diese Einbettung wird die Kombination aus progressiver Einkommensteuer und Sozialabgaben schnell unattraktiv – selbst wenn der Aufenthalt rechtlich unkompliziert ist.

Portugal funktioniert somit für diejenigen, die entweder unter IFICI fallen oder bewusst mit mehreren Ländern arbeiten. Für alle anderen ist es zwar ein hervorragender Ort zum Leben, aber selten der beste Ort, um aktiv Einkommen zu versteuern.

Fazit – Portugal bleibt attraktiv wegen dem Lifestyle, aber nicht mehr als einfache Steuerlösung

Portugal hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert. Das Land ist weiterhin ein hervorragender Ort zum Leben: gutes Klima, hohe Lebensqualität, stabile Infrastruktur und als EU-Mitglied für Europäer ohne Visumshürden zugänglich. Genau daran hat sich nichts geändert. Was sich jedoch grundlegend geändert hat, ist die steuerliche Positionierung.

Mit dem Ende des klassischen NHR-Regimes hat Portugal den Schritt weg vom offenen Expat-Steuerland hin zu einem selektiven Fachkräfte- und Innovationsstandort vollzogen. Das neue IFICI-Regime richtet sich bewusst nur an eine kleine, klar definierte Zielgruppe. Für die Mehrheit der Expats, Freelancer und Unternehmer ist es in der Praxis keine realistische Option. Wer nicht exakt in die begünstigten Kategorien fällt, wird in Portugal regulär besteuert – mit progressiven Steuersätzen und spürbaren Sozialabgaben.

Für viele Auswanderer führt das zu einer neuen Abwägung. Portugal wird nicht mehr als alleiniger steuerlicher Wohnsitz gewählt, sondern als Lifestyle-Baustein innerhalb einer Gesamtstrategie. Einige Monate im Jahr in Portugal zu verbringen und dies mit einem steuerlich günstigeren Wohnsitz oder Unternehmensstandort wie Zypern, Bulgarien oder Rumänien zu kombinieren, ist heute ein verbreiteter Ansatz. Dabei spielen Themen wie steuerliche Ansässigkeit, Betriebsstätte und tatsächliche Tätigkeit eine zentrale Rolle.

Gerade für EU-Bürger ist der Aufenthalt in Portugal einfach – die eigentliche Entscheidung fällt jedoch auf der Steuer- und Abgabenseite. Und genau dort ist Portugal heute deutlich unattraktiver als noch vor wenigen Jahren. Ohne Sonderregime ist das Land steuerlich ein klassischer europäischer Hochsteuerstaat.

Die nüchterne Einordnung lautet daher:

Portugal ist nach wie vor ein sehr gutes Land zum Leben. Als steuerliche Lösung für aktiv arbeitende Expats ist es jedoch nur noch in Ausnahmefällen geeignet. Wer Portugal in seine Auswanderungsplanung einbezieht, sollte dies bewusst tun – eingebettet in eine klare Gesamtstruktur und nicht auf Basis veralteter NHR-Versprechen.

Damit ist Portugal kein falsches Ziel, aber ein Land, das mehr Planung verlangt und weniger verzeiht als früher.

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